So machst du dir weniger Sorgen - mit Martin Wehrle

Shownotes

Warum kündigen gute Mitarbeiter – obwohl Gehalt und Karriere stimmen? Und was können Führungskräfte tun, damit Menschen gerne bleiben? Darüber spricht Host Thorsten Giersch mit Martin Wehrle.

Wehrle erklärt, warum Wertschätzung, Sinn und gute Führung heute oft wichtiger sind als finanzielle Anreize. Viele Unternehmen konzentrierten sich auf Recruiting, unterschätzten aber die Bedeutung einer Unternehmenskultur, in der Mitarbeiter Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln können. Gerade im Mittelstand liege darin ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Im Gespräch geht es außerdem um typische Führungsfehler, den Umgang mit schwierigen Mitarbeitern, die Erwartungen der Generation Z und die Frage, wie Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändert. Wehrle ist überzeugt: Fachwissen bleibt wichtig, doch soziale Kompetenz, Kreativität und die Fähigkeit, Menschen zu begeistern, werden künftig noch stärker über den Unternehmenserfolg entscheiden.

Ein praxisnahes Gespräch über moderne Führung, Motivation und die Frage, warum gute Chefs heute wichtiger sind denn je.

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00:00:22: Wenn mich, seitdem ich Wirtschaftsbücher lese und rezensiere und damit arbeite ein Autor seit mindestens fünfzehn Jahren, fast zwanzig jahren begleitet.

00:00:33: Dann ist es Martin Werler.

00:00:35: Er ist Deutschlands bekanntester Karriere- und Persönlichkeitscoach.

00:00:38: Ich glaube das darf man ohne Übertreibung sagen viele Spiegelbestzeller auch international damit erfolgreich.

00:00:46: er hat an eigenen Podcasts der steht auf der Bühne und hat gerade ein neues Buch geschrieben.

00:00:52: Es heißt, wer wärst du ohne deine Sorgen?

00:00:55: Und es ist wie man ihn kennt ein nützlicher Ratgeber, wie man eine bessere Führungskraftiert am besserer arbeiten, am mensch, am besseren Mensch wird!

00:01:03: Ich freue mich sehr auf das Gespräch in dem wir kurz anreißen wollen was da alles drin steht.

00:01:08: ich grüße Sie Herr Werner.

00:01:09: Hallo!

00:01:10: Herr Kirschlich Grüß zurück.

00:01:14: Wer wärst du ohne deine Sorgen?

00:01:16: Ich habe es gerade schon gesagt, ist der Titel ihres neuen Buches.

00:01:19: Erzählen Sie mal ein bisschen dessen Geschichte.

00:01:21: wie, wie kam sie drauf?

00:01:23: Es gibt zwei Wurzeln dieses Buches Erstens meine persönliche Geschichte und zweitens das was ich auch als Berater erlebe.

00:01:31: fang an mit meiner persönlichen Geschichte.

00:01:34: Ich hab früher dazu geneigt dass sich mir viele Sorgen gemacht hat Dass ich überlegt habe was alles schief gehen könnte in den zweitausender Jahre, ich glaube es war Anfang zwei tausendund drei.

00:01:49: Da habe ich von einem Freund gehört der seinen Ausweis im Ausland verloren hat und dann stand er da hatte Riesenschwierigkeiten nachzuweisen wer er ist und ich dachte dann Ich bin sehr schlau das könnte mir auch passieren.

00:02:02: ich mache jetzt mal eine Kopie von meinem Ausweis damit ich wenn ich im Auslands bin auf der sicheren Seite mich befinde.

00:02:09: Und was passiert?

00:02:10: Ich gehe zum Kopiershop, ich mache diese Kopie und komme nach Hause.

00:02:14: Ich habe ein prima Gefühl und dann ist mein Ausweis weg!

00:02:18: Ich hab den also auf dem Kopierer liegen lassen und bei dem Versuch einem Problem vorzubeugen, habe ich es erzeugt.

00:02:27: Das ist ja typisch dass wir beim Versuchen ein Problem zu vermeiden, das Problem vergrößern.

00:02:33: Ich will meinen Ausweis nicht verlieren, da überhören wir das nicht.

00:02:38: Da kommt beim unbewussten Uhr an, du verlierst deinen Ausweis.

00:02:41: So kam es und ich habe gesehen in Beratungen dass Menschen sich sehr oft Sorgen machen über Dinge die anschließend gut gehen den Vortrag dem man versammeln könnte das Vorstellungsgespräch das nach hinten losgeht Die Kündigung die bald erfolgt Und In der Realität passiert dann oft nichts dergleichen.

00:03:02: und deshalb habe Ich gedacht Das ist ein riesiges Thema Menschen dazu zu verhelfen, dass sie erfreulichere Gedanken haben und dass sie Sorgen produktiv nutzen statt von ihnen erdrückt zu werden.

00:03:17: Den Eindruck hat man tatsächlich auf jeder Seite.

00:03:19: Wir werden natürlich hier in einem Gespräch nicht alle Vorteile des Buches erörtern können, da sind viele Übungen dabei aber auch ganz tolle Herausforderungen.

00:03:27: Nehmen wir mal ein paar Beispiele raus glaube ich.

00:03:29: Overthinking das ist ja auch ein bisschen was Sie gerade angedeutet haben.

00:03:32: also Ein Beispiel dass es ja komplexer gehört.

00:03:36: mehreres zu der negative Blick.

00:03:38: sie kategorisieren solche Dinge auch oft indem sie erklären was Da in unserem Kopf eigentlich passiert.

00:03:45: Viel Forschung dahinter natürlich, Sie haben viele Quellen.

00:03:49: aber dann die dritte Stufe ist eben so steuern also die Erkenntnis was passiert in unserem kopf und dann so Steuern sie gegen.

00:03:55: das ist ein bisschen ja oft ihr Ding.

00:03:58: Wie können wir es am Beispiel negativer Blick vielleicht mal durchgehen?

00:04:01: Was passiert da in uns?

00:04:04: Es ist ein evolutionäres Alarmsystem dass in unserem Kopf anspringt.

00:04:08: ich vergleicht das im buch mit einem Leibwächter.

00:04:11: Ein Star geht auf die Bühne Der hat einen Leibwächter dabei.

00:04:16: Und was ist die Aufgabe dieses Leibwechters, wenn er ins Publikum schaut?

00:04:20: Darf der da überall nette Menschen sehen, harmlose Menschen sehen?

00:04:24: Nein!

00:04:25: Es ist eine Aufgabe das ja jeden für einen potenziellen Attentäter hält damit er im Ernstfall dazwischen springen kann und so funktioniert unser Gehirn.

00:04:35: Das sucht also pausenlos um uns herum nach Risiken, nach Gefahren Lieber schlage ich mal Fehlalarm, als dass du nachher wenn wirklich was passiert nicht vorbereitet bist.

00:04:50: Jetzt kommst zum Beispiel zu der Situation.

00:04:53: Ich bin in meinem Büro.

00:04:54: Ich habe das Gefühl mein Chef hat in letzter Zeit nicht viel mit mir gesprochen und beim Meeting war er dann auch ein bisschen kritisch bei meinem Beitrag.

00:05:04: Und jetzt springt sozusagen in meinem Kopf dieses Stammhirn an und es sagt mir jetzt Du Martin!

00:05:10: Der Chef der hatte dich auf dem Kieker der wirft dich womöglich raus.

00:05:15: Und jetzt ist es ganz, ganz wichtig wenn ich so einen Gedanken entwickle dass ich erkenne das ist keine Wahrheit, das ist kein Faktum sondern es ist nur ein Gedanke und das ist der erste Schritt den ich Menschen mitgeben kann Dass man zu sich selber sagt.

00:05:32: Ich denke gerade folgendes nämlich ich denke mein Chef könnte mich auf dem Kieker haben und mein Chef könnten mich raus werfen.

00:05:41: Das ist ein Riesenunterschied, ob ich das als Faktum nehme oder ob ich es als Gedanken erkenne.

00:05:47: Denn wenn ich es aus Gedanken erkannt habe dann kann ich es einem Faktencheck unterziehen und fragen wie wahrscheinlich ist es dass er mich wirklich auf den Kieker hat?

00:05:57: Dass er mich rauswirft?

00:05:59: Das kann ich anhand von rationalen Kriterien überprüfen Und wenn ich zu dem Ergebnis komme Es ist wirklich was dran Dann bin ich zumindest in der Lage, dass ich mich auf die Situation vorbereite.

00:06:12: Dass ich mich woanders bewerbe und es nicht kalt erwischt.

00:06:15: Aber wenn ich merke, nee das ist total unwahrscheinlich.

00:06:19: dann kann ich zum Beispiel ein klärendes Gespräch mit dem Chef suchen und dann diese Sorge durch das Leuchten mit der Taschenlampe auf den Sorgenpunkt.

00:06:29: da kann ich dieses Sorgengespenst auflösen.

00:06:33: Das erinnert mich an Trigtin, haben Sie ja auch beschrieben am Katastrophen bei es sozusagen, beim Katastrophe-Denken.

00:06:39: Ich weiß nicht ob ich den bei Ihnen mal früher schon auch gelesen habe oder woanders aber ich stelle mir manchmal vor das Schlimmste was dir passieren kann.

00:06:46: Was ist das eigentlich?

00:06:47: Vor einer Moderation vor wirklich Highclimomenten und das hilft plötzlich schon ne?

00:06:52: Das ist super weil wir stellen fest Es ist gar nicht so schlimm wie wir denken.

00:06:57: also wenn sie eine Moderation nennen, ich stehe ja oft auf Bühnen Man denkt jetzt, der absolute Horror ist dass man sich auf einer Bühne verspricht das ein was peinliches passiert.

00:07:07: Das Mikrofon runter fällt oder sowas.

00:07:10: aber wenn das wirklich passiert und wir prüfen es mal so realistisch dann wird das meistens vom Publikum gar nicht als unprofessionell sondern eher als etwas aufheitern des gesehenen.

00:07:22: Wenn man mit so einer Situation souverän umgeht kann das sogar ein richtiger Pluspunkt sein Und das gilt auch für andere Belange wenn ich jetzt zum Beispiel diesen Fall, den ich gerade beschrieben habe nehme und ich gehe davon aus.

00:07:34: Ich werde wirklich entlassen und ich stelle fest, na ja selbst dann bringe ich eine gute Qualifikation mit.

00:07:42: Habe ich ein gutes Netzwerk?

00:07:44: Kann ich mich prima bewerben?

00:07:45: Wenn ich das so sehe, kann mich dieser Gedanke eben nicht mehr im Griff haben.

00:07:50: Und das ist hier ein wichtiger Ansatz in meinem Buch.

00:07:53: Das heißt nicht wer wärst du ohne deine Sorgen?

00:07:56: weil ich sagen möchte wir sollten uns nie mehr Sorgen machen.

00:07:59: Doch, Sorgen gehören zum menschlichen Leben.

00:08:02: Aber es ist ein riesiger Unterschied hergerisch ob ich meine Sorgen habe Sie also beobachte sie also steuere sie also einordne oder Ob meine Sorges mich haben.

00:08:14: denn dann Es ist ein Problem

00:08:18: sprechen ja heute vor allen Dingen für Menschen.

00:08:19: die Verantwortung ernehmen Führungskräfte auf allen Ebenen und da sehe ich bei vielen Ich frage meiner jetzt ein bisschen einen Paradox.

00:08:26: Auf der einen Seite habe ich das Gefühl dass Je höher man in der Hierarchieleiter kommt, irgendwie genetisch was dazukommt.

00:08:33: Dass die nicht mehr in der Lage sind sich zu entschuldigen oder Vorwurf oder Kritik klarzukommen aber auf der anderen Seite sich unheimlich oft Selbstvorwürfe machen meistens im stillen.

00:08:43: ich gehör da manchmal natürlich auch zu.

00:08:46: Was halten sie von selbst vorwürfen?

00:08:48: Von was die Vergangenheit angeht

00:08:51: Die beiden Punkte, die Sie genannt haben wirken ja zunächst wie ein Widerspruch.

00:08:55: Also jemand kann sich nicht entschuldigen aber ist zugleich selbstkritisch.

00:08:59: ich sehe da eine absolute Parallele darin denn wer wird Führungskraft?

00:09:05: Wer kommt nach oben?

00:09:06: Wer schafft das?

00:09:08: Das sind Menschen, die haben richtig hohe Ansprüche an sich selber.

00:09:12: Das sind die, die immer die Extrameile gehen.

00:09:15: und natürlich wenn ich einen solchen Anspruch an mich selber habe dann fällt es mir schwer vor anderen einzugestehen, dass ich das nicht erreicht habe was ich wollte.

00:09:26: und intern kann ich das natürlich ausmachen.

00:09:29: Dann probiere also mir Selbstvorwürfe zu machen, probiere mich dadurch anzuspornen.

00:09:34: aber das Interessante ist ja ein Selbstvorwurf ist etwas.

00:09:39: das bringt mich nicht voran und indem ich mir selbst Vorwürfen mache werde ich nicht besser in meiner Arbeit sondern ich werde nur besser darin, dass ich mir immer wieder neue Vorwürfe an den Kopf knalle.

00:09:50: Und drum ist es so wichtig das sich höre was in meinem Kopf passiert.

00:09:54: also angenommen eine Ruhe Führungskraft die stellt jetzt fest eine Strategie Entscheidung war falsch.

00:10:02: nach außen verteidigt sie das weil sie will sicher keine Blöße geben Aber intern sagt sie zu sich, verfliegst das hättest du anders machen müssen.

00:10:12: Du hast da was Wichtiges übersehen weil es bist du für ein Depp.

00:10:15: wenn dir nochmal sowas passiert dann wirst du sehen dann wierst du gechast und Das ist ja so ein Karussell dass ich immer immer schneller dreht und Ich glaube Wenn die Führungskraft jetzt in der Lage wäre laut Zu denken und zwar konstruktiv zu Denken und einfach zu sagen auch gegenüber anderen.

00:10:34: Wenn ich heute noch mal auf meine Strategieentscheidung zurückblicke, gab es gute Gründe sie so zu fällen.

00:10:40: Nämlich A, B und C. Auf der anderen Seite habe ich vielleicht zu wenig gewichtet diesen und diesen und diesem Aspekt Und deshalb sehe jetzt dass die Entscheidung nicht so aufgeht wie ich mir das gedacht habe.

00:10:53: und auf dieser Grundlage und Jetzt muss ein Gegensteuern kommen.

00:10:57: also Ich glaube wenn wir uns öffnen wenn wir auch über Schwächen sprechen nach außen hin auch als Führungskräfte dann sind wir viel weniger angreifbar als wenn wir das Gefühl haben, ich habe so in meinem Herzen... mein Herz ist eine Mördergrube und da ist jetzt was ganz Schlimmes drin.

00:11:14: Also Offenheit ist auch für Führungskräfte ganz wichtig.

00:11:18: aber damit ich das praktizieren kann nach außen hin muss ich ja erstmal mit mir selber ins Reine kommen und mir bewusst machen Ich bin ein wertvoller Mensch Unabhängig davon, ob ich die richtige oder die falsche Entscheidung treffe.

00:11:34: Ob ich das Quartalsziel schaffe oder nicht schaffe meinen Selbstwert.

00:11:38: der hat mit dieser Position, die hier begleite gar nichts zu tun.

00:11:42: und wenn Ich soweit bin dass ich mich selber als Person Als mensch annehme dann bin ich auch viel eher in der Lage was meine leistung geht ehrlich Zu sein zu mir selber und ehrlich nach außen.

00:11:55: und wenn ich nach Außen ehrlicher Bin dann werde ich Ihnen auch nicht so überziehen.

00:11:59: Denn mit jeder Erklärung, mit jeder Entschuldigung nach außen sagt mein innerer Kritiker ja du redest hier totalen Blödsinn!

00:12:09: Du hast einfach nur versagt.

00:12:10: also je mehr Ich sage es war eine gute Entscheidung ohne Es zu glauben desto mehr innerer Gegenwind kommt und darum ist Hier Mehr Transparenz mehr Offenheit sicher verführungskräfte der bessere Weg.

00:12:24: Wir leben ja in einem Zeitalter der gefühlten Überforderungen.

00:12:27: Obwohl es ja ironischerweise immer mehr technische Helfer allein gibt, KI inklusive die uns das Leben leichter machen sollen.

00:12:33: abgesehen davon ob uns das vielleicht auch manche Techfirmen einreden dass sich Alltag immer komplizierter wird was halten sie davon also dass Menschen in einen Unternehmen reinkommen so große Firmen wie Google die gerade den beliebenden Arbeitgeber.

00:12:45: man hat ständig das Gefühl man ist eigentlich gut genug für das hier.

00:12:48: Menschen die befördert werden haben das manchmal.

00:12:50: Wie kann man sich dagegen wehren?

00:12:54: Also dass das Gefühl sich ausbreitet.

00:12:57: Das ist ganz natürlich, weil wir ja rund um die Uhr verfügbar sein sollen für unsere Arbeit.

00:13:03: Früher war es mal so, dass man um siebzehn Uhr die Firmentür hinter sich zugemacht hat und dann war man Privatmensch und dann hatte man andere Energiequellen.

00:13:12: Man hat Freunde getroffen, man hat Hobbys ausgeübt.

00:13:15: und heute ist es ja so... dass man fast schon ein schlechtes Gewissen hat, wenn man zum Beispiel nach Ablauf der vereinbarten Arbeitszeit einen Unternehmen wie zum Beispiel Google verlässt.

00:13:25: Weil die ganzen Kollegen sitzen ja noch am Schreibtisch.

00:13:28: Man hat ein schlechtest Gewissen, wenn es nicht erreichbar ist spät abends.

00:13:32: immer sollte man auf der Hut und im Einsatz sein.

00:13:36: Und ich glaube da haben wir zwei Aufgaben.

00:13:39: einerseits eine gesellschaftliche, das wird die Arbeit wieder begrenzen Denn das Leben besteht nicht nur aus Arbeit.

00:13:46: Es ist sehr sinnvoll, dass Menschen sich erholen, dass sie ihren Akku aufladen und kreative Energietanken.

00:13:53: Auf der anderen Seite haben wir natürlich auch die Aufgabe, dass wir selber mit uns etwas milder sind.

00:14:00: Ich habe da eine schöne Aufgabe, die ich in meinem Buch anbringe.

00:14:05: Man sollte sich selbst vorstellen, man wäre sein bester Freund oder seine beste Freundin!

00:14:12: Also ich sitze da um zwanzig Uhr und denke verdammt, ich muss unbedingt das noch fertig kriegen.

00:14:17: Ich muss jetzt und egal ob es Mitternacht wird, ich musste es fertig kriegen.

00:14:22: Was würden wir denn unserem besten Freund unserer besten Freundin sagen wenn die da sitzen würde?

00:14:28: Und wenn die das sagen würde?

00:14:30: und diese Frage Das nennt man in der Psychologie eine Dissoziierung?

00:14:34: Diese frage sorgt dafür dass wir aus der eigenen Haut rausgehen Dass wir uns von außen betrachten Und dann wird uns auf einmal klar, nein du musst jetzt hier nicht bis Zweiundzwanziger sitzen bleiben.

00:14:48: Du hast schon lang genug gearbeitet, du hast heute auch was geleistet und jetzt kannst du einfach es gut sein lassen und nach Hause gehen.

00:14:57: Ich glaube wenn Einzelne damit anfangen so mit sich umzugehen, dann wird der Schule machen und dann wird dieser kollektive Druck, der oft entsteht gerade auch in den Großraumbüros, dann werden diese kollektiven Druck abnehmen.

00:15:11: Und ich bin fest überzeugt, dass das auch im Interesse der Arbeitgeber ist.

00:15:16: Denn es bringt doch niemandem etwas wenn da total überarbeitete Gestalten sitzen die sich nur noch an der Arbeit wie an so einem Rettungsring festhalten und sonst haben sie nichts mehr in ihrem Leben.

00:15:27: Ich glaube es ist gut wenn Menschen einerseits bei der Arbeit kreativ sind engagiert sind aber eben andererseits auch ein Privatleben auch ein Familienleben auch Hobbys haben.

00:15:39: Das ist ein spannender Punkt.

00:15:40: Also ob jetzt die Führungskraft der Arbeitgeber als Ganzes, wenn es den auch immer gibt am Ende sind sie ja doch Menschen.

00:15:47: glauben Sie dass ich die beschäftigen in Deutschland?

00:15:49: Sie kennen ja wahrscheinlich alle forty-sech, dreienvierzig Millionen.

00:15:51: Ich weiß das gar nicht alle persönlich.

00:15:55: Machen die sich zu viele Sorgen oder zu wenig oder die falschen.

00:15:58: also kann man das... also wenn Sie jetzt so Ihr Gefühl, ihr Alltag sind mal eine Review passieren lassen Die.. ich weiss jetzt ne ganz komplizierte Frage.

00:16:04: aber was würden Sie sagen?

00:16:07: Ich würde sagen sie machen sich Erstens zu viel Sorgen und zweitens auch noch die falschen Sorgen.

00:16:14: Also ich kann es an einem Beispiel konkret machen, zuviel Sorgen.

00:16:19: ganz oft in Beratungen gerade wenn ich Führungskräfte vor mir sitzen habe, ganz oft schimmert durch zwischen allem was sie sagen Ich bin nicht gut genug!

00:16:28: Ich streng mich hier zwar an, ich probiere es meinem Chefrecht zu machen den Aktionären Recht zu machen, den Mitarbeitern recht zu machen aber irgendwie irgendwie krieg' ich's nicht hin.

00:16:38: Und dann frage ich diese Menschen oft.

00:16:40: Dann sage ich, sagen sie mal wie sind Sie eigentlich in dieser Position gekommen?

00:16:45: Ja gut es gab ein hartes Auswahlverfahren.

00:16:49: oder mein Vorgesetzter der kannte mich schon in der Fachposition und er fand mich wirklich gut.

00:16:54: Aha sage ich!

00:16:55: Sie haben ihre Position also bekommen weil sie wirklich was können, weil sie gut genug waren.

00:17:01: Oder ich stelle denen die Frage angenommen sie würden jemanden beobachten der genau so wie sie diesen Job macht, Sie würden ihn von außen sehen und mal durch einen Tag begleiten.

00:17:14: Würden Sie sagen, er macht einen schlechten Job oder die macht einen schlechten Job?

00:17:20: Also eine Hauptsorge, die Menschen haben ist Ich bin der Anforderung nicht gewachsen Und das stimmt nicht Denn wenn man wirklich einer Anforderungen nicht gewachsen ist So ehrlich müssen wir sein Dann fliegt man halt in Deutschland aus seinem Job raus.

00:17:34: Die allermeisten Menschen machen sehr gute Arbeit.

00:17:37: Es gibt Leute, die machen gute Arbeit und es gibt Leute mit mittlere Arbeit.

00:17:42: Aber dass Leute dem Job nicht gewachsen sind – das passiert so gut wie nie!

00:17:46: Und dann höre ich auch immer oft Sorgen von Menschen.

00:17:50: zum Beispiel was ist wenn mein Arbeitsplatz wegfällt wegen der künstlichen Intelligenz?

00:17:56: Da könnte man jetzt sagen Das ist aber eine sehr berechtigte Sorge denn es werden tatsächlich viele Arbeitsplätze wegfallen.

00:18:04: Ich stelle dann die Frage zurück lässt sich aus dieser Sorge nicht etwas Konstruktives ableiten.

00:18:11: Also zum Beispiel könnte ich mir sagen, okay... Ich arbeite jetzt in einem Bereich wo Arbeitsplätze durch KI ersetzt werden.

00:18:19: im Zukunft Wie kann ich mich positionieren?

00:18:23: wie kann ich qualifizieren dass mir dieser KI Trend in die Karten spielt das ich einer derjenigen sein werde die diesen Wandel umsetzen?

00:18:33: also es ist immer möglich aus einer Sorge einen konstruktiven Auftrag mitzunehmen.

00:18:38: Und sobald das gelingt, ist die Sorge keine Sorge mehr sondern sie ist ein wichtiger Anstoß und ich glaube dass müssen Menschen gerade in der Arbeitswelt viel viel öfter

00:18:48: tun.".

00:18:50: Mein persönliches Highlight in Ihrem Buch ist das Kapitular Kognitive Verhaltenstherapie.

00:18:54: Das klingt ja jetzt auch wieder alles wissenschaftlich da steckt ja auch viel Wissenschaft dahinter.

00:18:58: aber Sie bringen dann halt Sätze wie fangen Sie Gedanken ein wie ein Profi Was ich sehr geil finde, weil das muss ja jeder Mensch können.

00:19:06: Dass jeder Mensch ein Profi, wenn es richtig gut läuft.

00:19:10: Aber was meinen wir damit?

00:19:11: Also ich gebe mal im Beispiel die Herausforderung Problem-Fixierung also wie.

00:19:17: wir fühlen uns eigentlich durch alles gestresst und sind auch bisschen empfindlich, weil so jeder Halbstahl wird als Kritik an uns selbst in unserem Verhalten wahrgenommen.

00:19:27: Was passiert da in unserem Kopf?

00:19:30: Naja, der Kopf, der springt an wie diese Alarmanlage von der ich vorhin sprach.

00:19:35: Der sieht natürlich das potenzielle Risiko in dem Satz.

00:19:38: also machen wir es mal ganz konkret.

00:19:40: Ich halte einen Vortrag, ich stehe vor einer Gruppe und jetzt meldet sich jemand und sagt Also dieses eine Argument dass sie da gebracht haben Das teile ich nicht!

00:19:50: Ich habe ne andere Auffassung.

00:19:53: Jetzt kann man das in verschiedener Weise bewerten.

00:19:57: Mein Vortrag ist total durchgefallen.

00:20:00: Guck an, der erste, der sich meldet, sagt gleich, dass meine Argumentation schlecht gebaut ist.

00:20:06: wahrscheinlich geht es dem ganzen anderen Publikum genauso die schweigen nur um mich nicht zu kränken.

00:20:12: das klingt jetzt überzogen aber so ist es wirklich.

00:20:15: ich habe schon Menschen erlebt die haben einen menschen im publikum gähnen sehen während sie gesprochen haben und daraus den Schluss gezogen dass sie alle gelangweilt haben.

00:20:24: Das ist also die erste Stufe, eine Problemfixierung und eine Problemausdehnung.

00:20:30: Dann wird aus dem kleinen Problem gleich ein ganz großes.

00:20:36: Und da ist es halt so wichtig dass wir in solchen Situationen die Fakten von unseren negativen Fantasien trennen.

00:20:45: Also Faktum ist Einzuhörer hat sich zu Wort gemeldet Und er hat auch nur ein einziges Argument meines Vortrages in Frage gestellt.

00:20:58: Ich könnte jetzt sagen, das ist ja richtig gut dass mein Vortrag zum Mitdenken anregt.

00:21:04: Das ist auch richtig gut, dass dieser Mensch das Vertrauen hatte dieses Gegenargument jetzt vorzubringen und es gibt mir auch die Chance, dass ich diesen Punkt nochmal erläutere und meinen Standpunkt darstelle.

00:21:16: Das heißt, die Art und Weise wie ich die Fakten interpretiere entscheidet darüber.

00:21:22: Ob ich Riesenprobleme habe?

00:21:24: Riesen-Problemen der ganze Vortag ist durchgefallen.

00:21:27: Die mögen mich alle nicht!

00:21:28: Ob ich ein mittleres Problem habe dieses Argument ist nicht durchgedrungen Ich hab es nicht gut genug verkauft oder ob ich sogar eine Chance habe und sag Wie toll ist das denn dass sich die Sache jetzt nochmal erläutern kann und vielleicht auch andere Menschen im Raum einladen ihre Meinung zu sagen und dann merke ich womöglich, dass die meisten eben doch mein Argument teilen.

00:21:54: Eine andere Sache ist Enttäusch der Erwartung.

00:21:58: also ich empfinde mich selber auch dabei aber ich kenne auch wahnsinnig viele Führerskräfte um mich herum die eigentlich ständig von ihnen beschäftigten enttäuscht sind.

00:22:05: also sie Wertschätzung kommt nicht an.

00:22:08: wie auch immer Wie kann man dagegen steuern?

00:22:10: Dass man naja nicht so viel erwartet oder nicht so oft enttäuscht ist?

00:22:14: oder was ist da am besten?

00:22:16: Ach, ergerst!

00:22:16: Da sind die Historiker, die ich in meinem Buch in einem eigenen Kapitel würdige.

00:22:20: Da sind Historiker eigentlich diejenigen, die uns den Weg weisen.

00:22:24: Also das Einzige was wir auf dieser Erde verändern können und wirklich das einzige da sind wir selber.

00:22:31: Das ist unser Denken und dass es unser Verhalten Und die meisten Probleme Die uns wirklich niedermachen die entstehen wenn wir etwas bewegen wollen was wir nicht bewegen können.

00:22:44: also Wenn Ich jetzt erwarte Dass ein Mitarbeiter mehr Wertschätzung zeigt, dass er auf mich zukommt.

00:22:50: Dass er mir zu verstehen gibt das ich eine tolle Führungskraft bin.

00:22:53: Dann erwarte ich etwas was außerhalb meiner Macht liegt.

00:22:57: Das ist so als würde ich zum Fenster raus schauen und würde sagen verdammtes regnet Ich will das jetzt die Sonne scheint!

00:23:04: Das kann nicht verändern.

00:23:06: aber ich kann natürlich das Verhalten des Mitarbeiters sehen.

00:23:10: Und es ist für mich immer das beste Rezept gerade beim Führen, ich kann durch mein eigenes Vorbild etwas anregen.

00:23:18: Also wenn ich in meiner Abteilung dafür sorge dass die Leute von mir starke Rückmeldungen bekommen und zwar nicht nur Kritik sondern auch Lob, sondern auch dann wenn es wirklich gut läuft Wenn ich eine solche Kultur schaffe durch meinen Vorbild Dann ist die Wahrscheinlichkeit riesengroß das genau das gleiche zu mir zurückkommt.

00:23:37: Das ist eigentlich die tiefere Ebene im Umgang mit Menschen dass wir in den anderen uns selber gespiegelt sehen.

00:23:47: Es ist immer so, wenn ich das Gefühl habe – Ich habe um mich herum Menschen die zu wenig Wertschätzung schenken – dann kann es sehr gut sein, dass ich genau mich gespiegelt sehe und heimlich der Meinung bin, ich schenke den andern nicht genug Wertschätzungen.

00:24:03: aber ich versuche es auf diesem Weg zu umgehen, dass sich in den Spiegel schaue.

00:24:09: Also ich finde eine wertvolle Anregung Die Kritik, die wir an anderen haben immer mal auf uns übertragen und zu fragen wie geht es eigentlich uns damit?

00:24:19: Wie verhalten wir uns.

00:24:20: Und dieses Vorbild das ist der Weg, wie man auch andere Menschen indirekt wirklich nur indirek bewegen kann.

00:24:27: Und die besten Führungskräfte, die ich kenne sind deshalb so gut weil sie gute Vorbilder sind.

00:24:34: Die machen manchmal wenn man so schaut in die Führungstechnik Gesprächsführungstechnikmoderation, die machen da manchmal erhebliche Fehler.

00:24:42: Aber diese Fehler werden vollständig abgefedert wenn sie glaubhafte Persönlichkeiten sind Wenn Sie sich für nichts zu schade sind, wenn Sie vorangehen was die Arbeiten angeht.

00:24:54: Dann stehen die Teams hinter den Menschen und dann herrscht auch eine Atmosphäre in der man gerne führt und auch geführt wird.

00:25:02: Zum Abschluss vielleicht noch eine Frage zur positiven Psychologie.

00:25:05: Auch ein Kapitel bei Ihnen, Verleunen und Stärken.

00:25:07: also viele Führungskräfte gerade in Zeiten des Wandels verlieren so ein bisschen gerade auch unter Druck oder Zeitdruck das Gespür was sie richtig gut können.

00:25:16: Was hilft dagegen?

00:25:18: Sich immer wieder zu besinnen worin man gut ist Und sich eben nicht nur zu fragen worin Man schlecht ist.

00:25:24: Also eine Übung die ich gerne mit Führungskräften mache ist diese Einfach mal aufschreiben welches waren die drei glücklichsten Momente die ich in der letzten Woche bei meiner Arbeit hatte.

00:25:36: Und dann frage ich mich, welche Werte stehen hinter diesen Momenten?

00:25:41: Also vielleicht war ich an einer Situation gerecht und deshalb fand ich diese Situation toll.

00:25:48: Diese Werte zu erkennen ist wichtig weil dann kann ich sie mit Leben füllen.

00:25:53: Dann kann ich dafür sorgen dass sich eine Führung, ein Führungsstil entwickelt, der in Einklang steht mit dem was ich selber als Persönlichkeit verkörpere.

00:26:02: Also hier hilft es, dass wir einfach die Lupe nicht über die Mängel legen sondern auch über das was wir gut können.

00:26:09: Über das was gut läuft.

00:26:10: und es ist immer viel klüger das was ich gut kann zu verstärken und mehr davonzumachen als zu probieren zwanghaft meine Schwächen zu beseitigen.

00:26:20: denn sonst geht es so wie mit meinem Ausweis den ich nicht verlieren wollte indem man auf eine schwäche sich konzentriert und sie auf keinen Fall haben möchte verstärkt man sie oft ohne es zu wollen.

00:26:32: Herr Welle, leider ist unsere Zeit um.

00:26:35: Wir müssen weiter und ich habe die berechtigte Sorge dass hier Kita sonst zu hat wenn ich meine Tochter gleich abholen will.

00:26:41: Hat doch prima geklappt und wir haben so viel in diesem Gespräch drin.

00:26:44: das hat mir richtig Freude gemacht.

00:26:45: Und es

00:26:46: war trotzdem glaube ich nur zehn Prozent der vielen, vielen Punkte in ihrem Buch.

00:26:49: aber die Leute sollen sich auch noch lesen.

00:26:51: Das sollte ja nun Tisa sein hier und deswegen bedanke ich mich ganz herzlich für ihre Zeit und sage auf bald!

00:26:57: Ich freue mich schon.

00:26:58: aufs nächste Buch

00:26:59: wird bestimmt kommen.

00:27:00: Ich danke Ihnen für das tolle Gespräch, alles Gute Herr Giersch!

00:27:03: Und auch Ihnen lieber Hörerinnen und Hörern Danke fürs dabei sein.

00:27:06: ich sage wie immer bleiben Sie gesund und erfolgreich bis zur nächsten Folge.

00:27:10: Tschüss Das war Markt- und Mittelstand

00:27:13: der Podcast.

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