Inklusion statt Ausgrenzung: Was Unternehmen gewinnen können
Shownotes
Fachkräftemangel auf der einen Seite, hohe Arbeitslosigkeit unter Menschen mit Behinderung auf der anderen: Warum gelingt Inklusion in der Arbeitswelt noch immer so selten? In dieser Folge spricht Host Thorsten Giersch mit Janis McDavid über die Chancen und Hindernisse einer inklusiveren Wirtschaft.
McDavid, der ohne Arme und Beine geboren wurde, plädiert für einen Perspektivwechsel. Behinderung sei kein individuelles Problem, sondern entstehe oft erst durch gesellschaftliche und organisatorische Barrieren. Im Gespräch erklärt er den Unterschied zwischen Integration und echter Inklusion – und warum Unternehmen häufig noch an Vorurteilen scheitern.
Dabei geht es auch um den Fachkräftemangel, die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung und die Frage, weshalb viele Unternehmen lieber Ausgleichsabgaben zahlen, statt qualifizierte Bewerber einzustellen. Gleichzeitig zeigt McDavid, wie technologische Fortschritte und KI neue Möglichkeiten schaffen können – vorausgesetzt, sie werden sinnvoll eingesetzt.
Ein Gespräch über Potenziale, die oft übersehen werden, und darüber, warum Inklusion nicht nur gesellschaftlich sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich klug sein kann.
Transkript anzeigen
00:00:04: Markt und Mittelstand, der Podcast.
00:00:07: Deutschlands Stimme für Familienunternehmen.
00:00:10: Aktuelles und Zukunftsthemen rund um den Motor der deutschen Wirtschaft.
00:00:15: mit Thorsten Giersch.
00:00:23: Wir sprechen in dieser Folge über Inklusion und wie wir viele Chancen nicht nutzen, wo wir auch Missstände haben als Gesellschaft ehrlicherweise aber auch in den Unternehmen.
00:00:33: Ja es gibt gesetzliche Vorgaben die erfüllen aber zwei Drittel der Unternehmen nicht zahlen dafür eine Ausgleichszahlung eine Strafe sozusagen freiwillig anstatt einfach mehr Behinderte zu beschäftigen was eigentlich im KI Zeitalter technologisch oft einfacher ist denn je und ehrlicherweise die Chancen auch sehr, sehr groß sind.
00:00:55: Wir sprechen darüber jetzt mit Janis McDavid.
00:00:57: er ist Keynote Speaker, sehr bekannt auf sozialen Medien, auf Bühnen und eben auch mit seinem Buch All Inclusive das kürzlich erschienen ist dass ich sehr gerne aber auch mit vielen Neuigkeitswert gelesen habe und worauf wir sicherlich im Gespräch immer mal wieder zurückkommen werden.
00:01:22: Bevor wir in Medias Rehs gehen, ich glaube es ist wichtig auch ein bisschen dich und deine Geschichte ein bisschen zu kennen.
00:01:27: Wie wurdest du der, der dir heute bist?
00:01:29: Erzähl mal ein bisschen was über dich.
00:01:31: Oha!
00:01:31: Das ist ja eine Frage die ist ja fast schon uferlos ehrlich gesagt.
00:01:34: In
00:01:34: eins dreißig
00:01:36: Genau.
00:01:37: Das ist lustig, weil über dieser Frage habe ich mich damals tatsächlich beworben für die Uni an, die ich unbedingt gehen wollte nach meinem Abitur und da sind wir schon mittendrin eigentlich im Thema.
00:01:48: Ich hab' den Jahr- und Elf-Abitur gemacht und bin dann direkt danach eben an die Universität in der Universität mit Herdecke gegangen um Wirtschaftswissenschaften zu studieren Und das war genau die Frage, mit der wir uns dort auch bewerben mussten sehr schnell selbstständig gemacht und das ist das was mich bis heute auch immer noch prägt.
00:02:10: Ich bin als selbständiger Speaker, also Vortragsredner würde man auf Deutsch wahrscheinlich sagen.
00:02:15: Bin ich unterwegs habe mittlerweile drei Bücher geschrieben das letzte jetzt eben vor einem Jahr ungefähr zum Thema Inklusion in der Arbeitswelt.
00:02:22: darüber reden wir sicherlich da heute dann auch noch ein bisschen ausführlicher.
00:02:26: und diese ganze Selbstständigkeit die hat mich dann so überrollt dass ich tatsächlich dann doch relativ schnell realisiert haben okay also das mit dem Studium und der Selbständigkeit gleichzeitig Das wird doch sehr herausfordernd.
00:02:39: Ich habe mich schlussendlich dann für die Selbstständigkeit entschieden.
00:02:42: Sprich, ich hab also mein Studium nicht offiziell beendet und bin da jetzt mittlerweile eben seit ja gut zehn Jahren als Vortragsredner in ganz unterschiedlichen Kontexten vor allen Dingen aber auch zum Thema Diversity und Inklusion unterwegs, aber nicht nur auf dem Thema Mut und Motivation Herausforderungen angehen etc.
00:03:02: Und was möglicherweise auch noch wichtig ist, um mich zu verstehen also wer mich noch nicht kennt.
00:03:07: Ich bin ohne Arme und Beine geboren habe also dadurch eine eigene Erfahrung im Thema Inklusion würde ich mal sagen die mich schon mein ganzes Leben geprägt hat und würde sagen dass sich da im Grunde genommen auf einem sehr guten Weg war weil für mich immer die Devise lautete okay ich hab halt keine arme und beine Aber so was?
00:03:28: Und das sollte in meinem Leben niemals der Grund dafür sein, mich von irgendwas abhalten zu lassen.
00:03:33: Deswegen habe ich auf alles Bock und mache ganz viel und mache mehr oder weniger alles und versuche immer, dass sozusagen die Tatsache, dass ich keine Arm- und Beine hab dem nicht im Weg
00:03:41: steht.".
00:03:42: Ich glaube du wolltest, habe ich in deinem Buch gelesen als Kind auch Motorradpolizist werden oder?
00:03:46: Und hast es da überhaupt nicht von abgelassen aber doch irgendwann ja schon!
00:03:50: Genau, ich wollte als Kind immer unbedingt Motorradpolizist werden und ich finde das zeigt so wahnsinnig cool wie gut es meinen Eltern damals vor allen Dingen gelungen ist in meinem Leben oder für mein Alltag eine wahnsinnige Normalität an den Tag zu legen.
00:04:06: Weil da gab's natürlich auch Situationen in der Schule zum Beispiel wo ich dann gehänzelt wurde oder irgendwelche Kinder über einen halben Schulhof geschrien haben Guck mal, guck mal!
00:04:14: Der hat ja keine Arm und Beine.
00:04:17: Und natürlich gab es auch Situationen, in denen mich das dann durchaus auch mal getroffen hat.
00:04:21: Aber ich bin dann wenn ich nach Hause gekommen bin und mit meiner Mutter darüber geredet habe meine Mutter immer nur so gesagt ja und?
00:04:27: Das andere Kind hat rote Schuhe!
00:04:29: So, das heißt dieses keine Arm und Beine haben.
00:04:32: Das bewegte sich auf einem ganz normalen Level.
00:04:35: Das heißt irgendwie logisch war mir das natürlich bewusst aber es macht überhaupt keinen Unterschied.
00:04:39: Es wurde überhaupt nicht dramatisiert oder größer gemacht als es eigentlich ist.
00:04:45: Und das war total schön weil ich da als Kind wirklich eine tolle Kindheit dann dadurch auch haben konnte eben diesen Traum haben konnte unbedingt Motorradpolizist werden zu wollen.
00:04:54: Das war so mein erster Berufswunsch Und ich habe erst tatsächlich sehr, sehr spät – erst mit acht Jahren was ja wirklich spät ist.
00:05:03: Tatsächlich emotional realisiert und begriffen wie sehr ich doch durch dieses Keine Ahnung und Weine haben in unserer Gesellschaft ausgegrenzt bin oder möglicherweise am Rand leben müsste und sozusagen eben auch Diskriminierungserfahrungen.
00:05:22: wohl machen werde und wie gravieren anders ich eben aussehe.
00:05:26: Und das war ja erst tatsächlich mit acht Jahren.
00:05:28: Jetzt wäre es schön, wenn du das mit acht jahren nicht hättest machen müssen, wenn Millionen andere das nicht hätte machen müssen.
00:05:34: was stimmt in unserer gesellschaft?
00:05:36: Nicht wenn ich das mal so formulieren darf wo ist der weg noch weit?
00:05:40: also du stellst wirklich fragen auf die ganze vorträge antworten könnte.
00:05:43: ich finde ich cool ist schön herausfordernd.
00:05:47: ich versuche mich kurz zu halten.
00:05:50: ich mein Also natürlich gibt es eine gewisse Normverteilung in unserer Gesellschaft.
00:05:56: Und die Normverteilungen, die sagen natürlich... Die meisten Menschen haben Arme und Beine!
00:06:01: Und die meisten Menschen möglicherweise eben auch keine Behinderung jedenfalls nach klassischen Bewertungsmaßstäben.
00:06:11: Was wir aber oft machen ist meiner Meinung nach der Fehler dass wir alles immer nach dieser Norm ausrichten Und das kann ja schon nicht funktionieren und dass wir da durch über diese Norm ein Normalitätsbegriff sozusagen argumentieren, der aber ja völlig falsch ist.
00:06:29: Weil nur weil die Norm sagt, dass die meisten Menschen Arm und Beine haben, ist ja Teil der Realität also sprich der Normalität, dass es an den Rändern, also links und rechts auch Menschen gibt wenn man sich jetzt eine Glockenverteilung anschaut zum Beispiel oder vorstellt Menschen gibt, die eben Teil dieser Gesellschaft auch sind.
00:06:49: Und das ist glaube ich der große Fehler den wir als Gesellschaft machen dass wir alles nach der Norm ausrichten und es ja auch sozusagen nicht nur beim Thema Behinderung der Fall sondern bei ganz ganz vielen Themen.
00:06:59: Ja also zum Beispiel richten wir unheimlich viel eben an dem typischen Mann mittleren Alters Der gesund ist keine Behinderungen hat heterosexuell und so weiter und sofort Größe M trägt.
00:07:12: ja danach richten Wir Alles Aus.
00:07:14: Das geht mit Crash-Dummies für Autos geht es ja los.
00:07:18: Erst verkürzen wurde jetzt begonnen, dass man auch mal weibliche Dummies sozusagen für Crash-Tests von Autos verwendet.
00:07:23: das geht weiter über Erklärung von Krankheiten die für Menschen mit weißer Hautfarbe nur sozusagen erklärt werden in den Lehrbüchern und so weit und sofort.
00:07:32: und das endet eben da, dass wir eine Welt kreiert haben.
00:07:36: So möchte ich's mal formulieren Mann mittleren Alters, der keine Behinderung hat funktioniert und für alle anderen aber nicht.
00:07:45: Und das ist eben da wo wir dann dabei auch feststellen müssen dass wir hier wieder einen Fehler machen zwischen Norm und aber dann eben auch sozusagen Mehrheitsverhältnissen.
00:07:57: ja weil die Mehrheit ist am Ende des Tages eben nicht männlich heterosexuell und weiß sondern anderen Gruppierungen, die wir immer so als Randgruppen abstempeln haben ja auch einen durchaus große Schlagkraft und Gewicht.
00:08:24: Was ist Inklusion?
00:08:26: Wie grenzt es sich vielleicht auch von Integration ab, jetzt kommen wir auch langsam zum Unternehmerischen.
00:08:31: Was ist das eigentlich so ganz genau und was ist es vielleicht auch nicht?
00:08:35: Ja also das ist natürlich eine spannende Frage und gerade beim Inklusionsbegriff wird auch viel Schindlunerei getrieben ehrlich gesagt oder Etikettenschwindel weil wie oft ich mittlerweile lesen muss etwas sei inklusiv was aber das Gegenteil von Inklusiv ist.
00:08:51: Integration würde ich beschreiben, als eine Gruppe von Menschen die irgendwie anders sind.
00:08:57: Als andere kommt ins Unternehmen beispielsweise wird also integriert aber bleibt unter sich.
00:09:04: Also das typische Beispiel würde ich jetzt mal sagen sind eben so die Unternehmen die ganze Abteilungen geschaffen haben mit Menschen die Autismus haben oder dem Autismus Spektrum angehören sagt man glaube ich korrekterweise und ganze Abteilung dafür geschaffen habe.
00:09:18: Das heißt sie haben eine Abteilung von Menschen mit Autismus in das Unternehmen integriert.
00:09:23: Inklusion stellt meiner Meinung nach eine ganz andere Frage.
00:09:27: und zwar stellt Inklusion die Frage, sind wir bereit als Gesellschaft aber auch als Unternehmen uns anzupassen?
00:09:35: Bei Integration ist die Anpassung nur von denen gefordert, die sich integrieren sollen.
00:09:40: also jetzt integriert euch doch bitte mal heißt es dann so.
00:09:44: Und Inklusion stellt aber eben die Frage, dass wir uns gemeinsam hinsetzen und gemeinsam uns darüber austauschen.
00:09:51: Wie soll das Unternehmen der Zukunft aussehen damit wir wirklich gemeinsam sagen können Wir sind ein inklusives Unternehmen?
00:10:03: Sprich von Inklusion reden wir erst dann, wenn tatsächlich Menschen mit Behinderung oder Menschen à la couleur, möchte ich jetzt mal sagen.
00:10:11: Tatsächlich auch an den Entscheidungstischen mitsitzen dürfen und eben auch dort Entscheidungen mit treffen.
00:10:19: Jetzt werfe ich mal zwei Zahlen in den Raum, immer gefährlich im Podcast.
00:10:22: Aber das schaffen sie lieber Hörerinnen und Hörern!
00:10:25: Es gibt ungefähr acht Millionen Schwerbehinderte, gerade höher als fünfzig Prozent hierzulande... ...und eins Komma drei Millionen sind versicherungspflichtig beschäftigt Masomenus.
00:10:35: Das ist wenig weniger als ein Viertel.
00:10:39: Wie bewertest du diese Zahlen?
00:10:41: Und woran liegt es?
00:10:44: Also ich finde die Zahlen extrem bedenklich und obacht jetzt werfe ich auch noch ein paar Statistiken ein, aber keine Sorge das ist relativ einfach zu verstehen.
00:10:52: Und zwar wenn man die arbeitslosen Quoten miteinander vergleicht ja?
00:10:57: Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung und die Arbeitslose Quote von Menschen ohne Behinderungen dann sehen wir ähnlich wie du jetzt die Zahlen auch vorgestellt hast.
00:11:06: Sehen wir dass die Arbeitslosenguote unter den Menschen mit Behinderung deutlich höher als die unter den Menschen ohne Behinderung.
00:11:14: So gleichzeitig sagt und das kann man nachlesen, sowohl bei der Aktion Mensch als auch bei der Bundesagentur für Arbeit, sagt die Statistik dass die arbeitslosen Menschen mit Behinderungen durchschnittlich höher qualifiziert sind als die Arbeitslosen ohne Behindungen.
00:11:28: so Und jetzt die letzte Zahl wir haben einen großen Fachkräftemangel über hunderttausend zweihundert tausend je nachdem welcher Statistika man jetzt folgen möchte an Fachkräften fehlen in Deutschland.
00:11:39: So und das finde ich Auf der einen Seite eine sehr bedenkliche Situation, auf der anderen Seite allerdings auch eine Situation die schlicht und ergreifend nicht verstehe.
00:11:48: Weil wir haben auf der einen seite Unternehmen, die sich beklagen dass sie keine Fachkräfte finden.
00:11:53: Und auf der andern Seite haben wir ne Gruppe von Menschen die in der Arbeitslosigkeit sind trotz Qualifikation, trotz Berufsabschlüssen und so weiter und sofort.
00:12:01: Wo ich immer nur so denke ja haben wir doch mal angefangen.
00:12:04: oder wann fangen wir eigentlich an vor der eigenen Haustüre nach Fachkräften auch zu suchen?
00:12:10: Das ist natürlich schwierig wenn vor der eigene Haustür eine Stufe ist.
00:12:13: also sprich das Thema Barrierefreiheit ist natürlich die Grundvoraussetzung dafür entsprechende Fachkräfte die eine Behinderung haben überhaupt ansprechen zu können.
00:12:24: Damit sind wir auch ein bisschen beim rechtlichen.
00:12:27: Es gibt seit Jahr zwei Tausend Sechs, ich glaube das war ein Meilenstein... Das wurde bei Gesetzes immer so schwer.
00:12:33: UN von der UN also das Behindertenrechtskonvention glaub ich heißt es um und jetzt kommt wieder so'n Wort.
00:12:42: Es ist keine Krankheit sondern ein Nachteil.
00:12:46: Was bedeutet diese Definition?
00:12:50: Das war ehrlich gesagt ein riesiger Meilenstein, der mit dieser UN-Behindertenrechtskonvention erzielt wurde.
00:12:57: Übrigens Fanfekt am Rande Deutschland hat die UN- Behindertenrechtskonventionen in dem Jahr twohntausendneun ratifiziert.
00:13:02: das heißt also theoretisch ist sie gelten des Recht.
00:13:05: ich sage leider bewusst an der Stelle theoretisch weil wir oft genug sehen können, wo dieses Recht auch gebrochen wird.
00:13:11: Und im Moment auch politische Debatten geführt werden die ganz gezielt die UN-Bennatenrechtskonvention auch diskreditieren und angreifen.
00:13:18: aber das wollen wir jetzt erstmal ausklammern an der Stelle.
00:13:20: Das war deshalb ein Riesenmeilenstallen weil vorher oft eben gesagt wurde Behinderung ist ein persönliches ist ein medizinisches Problem.
00:13:30: Die UN-Behindertenrechtskonvention ist dann hingegangen und hat eben gesagt, nee das greift zu kurz.
00:13:37: Sondern eigentlich müssen wir Behinderungen anders definieren.
00:13:40: Und zwar müssen wir Behinderung definieren dass sie ein Nachteil ist den Menschen entweder von Geburt an haben Das sind allerdings die wenigsten oder im Laufe des Lebens sozusagen erwerben.
00:13:52: Das ist die allergrößte Zahl dabei.
00:13:55: Und die UN-Winternrechts Konvention sagt Eine Behinderung entsteht dadurch, dass diesen Menschen bestimmte Rechte nicht gewährt werden die sie eigentlich haben und die alle anderen über die allgemeine Erklärungen der Menschenrechte haben.
00:14:10: Und dann ist man eben hingegangen hat gesagt okay wir müssen im Grunde genommen das nochmal genauer vielleicht auch noch mal ein Stück weit schärfer formulieren was bedeutet eigentlich Allgemeine-Menschen-Rechte im Hinblick auf das Thema in Bezug auf Menschen, die eine Behinderung haben.
00:14:28: Da wurden dann noch mal viel konkreter bestimmte Dinge
00:14:34: festgelegt.".
00:14:35: Und der Meilenstein dabei ist, dass jetzt eben nicht mehr gesagt wird hey das ist dein Problem.
00:14:40: Komm halt damit zurecht sondern es wird gesagt ne wir haben eine Gesellschaftstruktur erschaffen die bestimmte Menschen ausschließt und deswegen ist es Aufgabe der Gesellschaft dafür zu sorgen diese Menschen wieder einzuschließen
00:14:56: Und das wurde natürlich auch tiefer gelegt auf deutsches recht.
00:14:59: Das hast du gerade schon gesagt, Debatte die dem eigentlich zu widerlaufen, da komme ich gleich noch zu.
00:15:03: aber sind wir kurz an der Unternehmsebene.
00:15:06: Das grenzt er wahrscheinlich auch an.
00:15:08: also ein Unternehmen mit mehr als zwanzig Beschäftigten muss eigentlich laut Gesetzes ging ja stufenweise.
00:15:14: man konnte sich jahrelang darauf einstellen dass ist jetzt nicht ganz neu fünf Prozent eben Menschen mit Behinderung beschäftigen wenn sie ab zwanziger Beschäftigte haben so Wer das nicht hat, und es sind zwei Drittel.
00:15:28: Zwei Drittel halten diese fünf Prozent Quote nicht ein.
00:15:31: aus welchen Gründen auch immer muss eine Ausgleichsabgabe zahlen die ist gestaffelt, mal so mal so hundert Euro usw.
00:15:41: Was hältst du von dieser Mechanik?
00:15:43: Und auch dieser Zweidrittelzahl?
00:15:46: Ich finde die Mechanik grundsätzlich sehr begrüßenswert und grundsätzlich sehr gut, weil sie vor allen Dingen in Deutschland auch eine Entwicklung angestoßen hat.
00:15:53: Die wir sicherlich nicht gehabt hätten wenn es diese Regelung nicht geben würde.
00:15:58: gleichzeitig sehen wir trotz der Tatsache dass eben dieser Zahlungen, die dann getätigt werden müssen.
00:16:05: Also diese Ausgleichsabgabe heißt sie ja glaube ich offiziell.
00:16:08: Die Unternehmen also bezahlen müssen wenn Sie es nicht schaffen diese Quote zu erfüllen.
00:16:12: das sind bis zu ich glaube acht hundert Euro mittlerweile pro nicht besetztem Arbeitsplatz, wenn ein Unternehmen gar keine Person mit Behinderung eingestellt hat.
00:16:21: Und selbst da gibt es Unternehmen die offensichtlich lieber diese Ausgleichsabgabe zahlen und gleichzeitig aber sich immer noch beschweren dass sie keine Fachkräfte finden.
00:16:31: statt einfach mal hinzugehen und sich zu überlegen kann ich nicht dieses Geld was ich sozusagen unsinnigerweise bezahlen muss Dadurch sozusagen mir einsparen, indem ich einfach Fachkräfte gezielt anwerbe die eine Behinderung haben.
00:16:44: Das wäre ja eigentlich ein super Trick und so wie ich beim Wirtschaftswissenschaftlichen Studium verstanden habe im Grunde genommen das was Unternehmen eigentlich tun sollten nämlich Kosten reduzieren und Gewinne maximieren Und das wird hier an der Stelle nicht gemacht.
00:16:58: Gleichzeitig muss ich aber der Ehrlichkeit oder der Vollständigkeit, besser gesagt der Vollständigkeit halber auch sagen dass diese Regelung leider ein bisschen auch ein stumpfes Schwert ist aus verschiedenen Gründen.
00:17:09: denn erstens kann dieser Ausgleichsabgabe als Betriebskostengelten gemacht werden was allein schon absurd ist weil es soll ja in der Theorien straffzahlungen sein so machen uns nichts vor so ist sie eigentlich nicht zu benennen und Ich kenne jetzt auch einige Leute, die mir dafür einen auf den Deckel geben würden.
00:17:26: Als ich sagen würde es eine Strafzahlung aber im Grunde genommen ist das ja so.
00:17:30: Die können von der Betriebsausgabe gelten gemacht werden was schon mal.
00:17:32: erstens völlig absurdes.
00:17:34: Zweitens und da kommen wir zur nächsten Absolität wenn das Unternehmen sagt okay Aber wir geben Aufträge an eine sogenannte Werkstatt für behinderte Menschen Also zum Beispiel ein Unternehmen, was irgendwelche Produkte verpacken lässt.
00:17:47: Kann eben sagen okay diesen Verpackungsprozess den langen wir aus an eine Werkstatt für behinderte Menschen dann können sie das was Sie dort als Auftragsvolumen sozusagen generieren Das können Sie gegenrechnen, gegen die Ausgleichsabgabe, die sie eigentlich zahlen müssten.
00:18:04: Und das ist ehrlich gesagt ein bisschen den Trick... eine Taschenspielerei oder ein bisschen einen Trick durch die Hintertür weil das natürlich nicht das ist was eigentlich mit dieser Ausgreichsabgate ursprünglich mal gedacht worden ist sondern die Ausgelichsabgarbe war ursprunglich mal dazu gedacht eben einerseits ein Anreizsystem zu haben, für die Unternehmen mehr Menschen mit Behinderungen einzustellen und gleichzeitig aber dieses Geld dann was dann generiert wird wenn die Unternehmen es nicht tun dafür zu nutzen.
00:18:30: Menschen die in einer Werkstatt sind unter zu unterstützen den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt zu finden.
00:18:36: Das heißt, es ist auf zwei Ebenen.
00:18:37: Es ist im Grunde genommen doppelt absurd eigentlich diese Tatsache zumal dann noch dazu kommt dass aber das würde jetzt hierzu weit führen auch das ganze System der Werkstätten für behinderte Menschen im Moment und in einer sehr großen Kritik steht sozusagen unter großer Kritik und wie ich finde durchaus auch zu Recht
00:18:57: eigenes thema.
00:18:58: tatsächlich ich bin da auch ambivalent muss ich sagen auch wenn ich bei den einkaufe durchaus aber komplex und tatsächlich für den moment so viel.
00:19:05: ich würde vor allen Dingen noch auf das recruiting bei den unternehmen zurückkommen weil da jetzt kommen wir mal auch lösungsansätze.
00:19:12: du bist vielen unternehmen du kennst sehr gute fälle nenne ich das jetzt mal wo es funktioniert.
00:19:17: wo ist sich?
00:19:18: rechnet?
00:19:18: gar keine frage nicht nur ein paar sondern viele.
00:19:21: was passiert dann?
00:19:22: im recruiting?
00:19:23: fangen man negativ an was läuft der schief.
00:19:28: Also ich glaube, das ganz große Problem oder mit das größte Problem was wir bis heute auch immer noch haben und dass obwohl wir im Jahre in den Jahren ist.
00:19:35: Ich wusste gerade nur auf die Urschielen aber ja tatsächlich sind es im Jahr ist das Thema Vorurteile.
00:19:42: Und das ist meiner Beobachtung nach immer noch die allergrößte Hürde, die die meisten Unternehmen haben oder auch die meisten Recruiting Abteilungen haben die sie davon abhalten, Menschen mit Behinderungen wirklich gezielt als Fachkräfte auch anzusprechen.
00:19:58: Und diese Vorurteile sind sehr vielschichtig gelagert.
00:20:02: es geht damit los das heißt ja bei Menschen mit Behinderung sind ja gar nicht so leistungsfähig oder die sind ständig krank oder die fallen ja ständig aus oder dies und das und jenes und endet dann mit dem Vorteil wenn du einmal jemanden mit Behinduerung eingestellt hast dann wirst du den ja nie wieder los.
00:20:18: So faktisch gesehen sind alle diese Vorureiteile falsch Weil auch wenn du jemanden mit einer Behinderung einstellst, hat der zwar einen besonderen Kündigungsschutz.
00:20:28: Das ist richtig so und wichtig gleichzeitig.
00:20:32: Aber nichtsdestotrotz natürlich kannst du jemandem mit einer Behinderung wieder loswerden.
00:20:36: Du darfst es eben nur nicht aufgrund der Behinderungen oder ich muss das korrekt da machen.
00:20:42: Du musst in dieses Kündigungsgespräch sozusagen noch eine Vertrauensperson bzw.
00:20:47: die Schwerbehindertenvertretung mit einbinden.
00:20:50: Aber wenn ich jetzt beispielsweise angestellt wäre in einem Unternehmen und ich würde Löffel aus der Kantine klauen, dann kann man mich genauso gut kündigen wie alle anderen auch.
00:20:57: Also das ist sozusagen Quatsch!
00:20:59: Gleichzeitig das Vorteil mit der Leistungsfähigkeit... Das ist im Grunde genommen ein sehr spannendes Vorteil weil wir unsere Leistungsfähigkeit und wir sind ja eine Leistungsgesellschaft und es wird immer so wahnsinnig hochgehalten.
00:21:11: Dann ist aber für mich die Frage was heißt denn eigentlich Leistung?
00:21:14: Heißt Leistung zehn, zwölf Stunden am Tag im Büro sitzen völlig unabhängig davon was ich tue Hauptsache sie zu aussatzwürdig arbeiten oder bedeutet Leistung?
00:21:26: jeder und jede gibt seine und ihre hundert Prozent.
00:21:32: Und meine Hundert Prozent sind möglicherweise vielleicht eine andere hundert prozent als deine vielleicht aber auch nicht.
00:21:38: das heißt Die Frage der Leistungsfähigkeit ist ja eigentlich gar nicht die entscheidende.
00:21:42: Die entscheidenden Frage, ist ja die Frage der Leistungsbereitschaft und deswegen führen wir an dieser Stelle meiner Meinung nach die falschen Debatte.
00:21:54: exzellente Beispiele wie auch Autisten, Jobs gerade übrigens im KI-Zeitalter glaube ich auch sehr gut machen können.
00:22:01: Apropos Technologie das ist ja hier auch noch ein Punkt von bei blinden angefangen.
00:22:05: wir haben Leben in einer Zeit wo Sprache immer wichtiger wird um Dinge zu erfassen und nicht die Tastatur oder ähnliches.
00:22:12: also glaubst du dass die Leistungsfähigkeit vom Behinderten abgesehen von dieser hohen Motivation durch technologische Lösungen die einfach immer mehr werden nochmal steigen wird und dass es sich lohnt frühzeitig auf diesen Trend zu setzen auch als Unternehmen.
00:22:28: Gleich noch eine kurze Ergänzung.
00:22:29: Selbst wenn ein Unternehmen jemand einstellt mit einer Behinderung und dort festgestellt wird, die Person kann nicht sozusagen das leisten was normalerweise dort auf dem Job nötig ist dann gibt es immer auch die Möglichkeit über die entsprechenden staatlichen Stellen sowas auch quer finanzieren zu lassen also bzw.
00:22:46: sich staatlich auch als Unternehmen unterstützen zu lassen ganz davon abgesehen dass es das auch gibt für den barrierefreien um die barrieren freie Umgestaltung eines Arbeitsplatzes usw.
00:22:55: Also es gibt durchaus staatliche Fördertöpfe, die man auch anzapfen kann als Unternehmen.
00:23:02: Die Frage... Wie bitte?
00:23:04: Wichtiger Punkt auf jeden Fall!
00:23:05: Ja ist ja nochmal ein ganz wichtiger Punkt da sich dann einfach mal zu informieren und die entsprechenden Stellen für das Unternehmen vor Ort zuständig sind auch zu kontaktieren.
00:23:15: Das ist Inklusionsamt oder die Arbeitsagentur.
00:23:18: Das sind so die ersten typischen Anlaufstellen, die Rentenversicherung manchmal eben auch Unfallversicherungen
00:23:23: usw.,
00:23:23: je nachdem Kontext.
00:23:25: aber sich da einfach mal zu informieren, das kann ja schon sehr wertvoll sein.
00:23:28: Technologie?
00:23:29: Ja ich glaube schon dass der technologische Fortschritt uns nochmal auf eine ganz andere Stufe heben kann als Menschen mit Behinderung.
00:23:39: Ich bin da aber immer so ein bisschen vorsichtig, weil wir haben eine ähnliche Debatte damals gehabt beim Thema Home Office.
00:23:45: Wo dann gesagt wurde ja das doch eigentlich perfekt?
00:23:48: Weil dann können ja viel mehr Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten, weil die schieben einfach alle ins Home Office und müssen uns nicht damit beschäftigen ob unser Büro barrierefrei ist usw.
00:23:57: Und sofort und dann können sie dort arbeiten.
00:24:00: Ich bin da immer so ein bisschen zwielgespalten.
00:24:03: Auf der einen Seite denke ich mir ja okay, ich freue mich für jeden oder jede mit Behinderung die es geschafft hat einen gut bezahlten Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu haben.
00:24:12: Gleichzeitig muss ich sagen wenn das Argument lautet wir stecken alle Menschen mit Behinnerungen ins Homeoffice ist es auch schon wieder nicht inklusiv verwenden des Tages, sondern das ist eine hohe Form von Exklusivität bzw.
00:24:25: maximal vielleicht noch von Integration aber eben nicht von Inklusion das was für uns ja eigentlich wünschen würden.
00:24:31: insofern um die Frage zu beantworten Ja ich glaube der technologische Fortschritt kann uns helfen Aber obacht nur wenn wir ihn auch richtig einsetzen und richtig tatsächlich nutzen.
00:24:43: Und Ich Glaube dass der Technologische fortschritt trotzdem keine Abkürzung ist die eigenen Vorurteile infrage zu stellen.
00:24:52: Zum Abschluss noch, was muss die Politik noch machen?
00:24:54: Also wir haben einen, ich glaube hochrangige Politiker, die sich damit beschäftigen, die selber anmerken dass wir hier bürokratisch auch für die Unternehmen ein Irrgarten haben.
00:25:04: Ich glaube das ist das Wort, das man benutzt wurde.
00:25:06: Wie bewertest du diese Situation?
00:25:09: Also ich finde, wenn ich mir das anschaue dann haben wir in Deutschland tatsächlich gerade in dem Bereich bürokratische Monster erschaffen die einfach so groß sind dass alle damit überfordert sind.
00:25:19: Das sehe ich sowohl auf Seiten der Unternehmen als auch auf Seite der ArbeitnehmerInnen.
00:25:26: Diese Debatten führen wir ja im Hinblick auf den ganzen sozialen Sektor, also soziale Ausgaben
00:25:33: usw.,
00:25:34: die wir uns angeblich in diesem Land nicht mehr leisten könnten.
00:25:38: Wo ich mich dann hinstelle und sage aber können wir diese bürokratischen Monster überhaupt noch leisten?
00:25:44: Weil was da an Ressourcen, an Geld verschwendet wird!
00:25:48: Auf allen Seiten.
00:25:49: das ist der reinste Irrsinn und ich finde wirklich... Und diese Vorschläge sind jetzt auch nicht neu von mir, sondern die Staben von Jürgen Dusel ist der Bundesbeauftragte.
00:26:00: Der Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung.
00:26:03: heißt es korrekt also der Bundesbehindertenbeauftrage der eben schon seit Jahren fordert und dem schließe ich mich vollumfänglich an, dass er sagt wir müssen diese Leistungen für Menschen mit Behinderung aus einer Hand tätigen.
00:26:17: Dass die Unternehmen einen Ansprechpartner eine Ansprech-Partnerin haben und nicht tausend und die Menschen mit Behinderung selbst aber eben auch in der Behörde das es eine Behörd gibt, dass es dort eine Ansprechstelle gibt mit der man alle Fragen sozusagen diesen ganzen Prozess hin, wie kann ich es schaffen mit einer Behinderung auf den ersten Arbeitsmarkt zu kommen?
00:26:39: Dass das eben alles aus einer Hand passiert.
00:26:43: Das würde uns unheimlich viele bürokratische Kosten ersparen und würde das der Wirtschaft und den Menschen deutlich einfacher machen sich auch mit dem Thema wirklich zu beschäftigen.
00:26:54: Appell zum Abschluss Janis!
00:26:55: Vielen vielen Dank für das Gespräch.
00:26:57: sehr gerne viel dank dir
00:27:00: Und auch Ihnen, wir Hörerinnen und Hörern.
00:27:01: Danke fürs dabei sein!
00:27:02: Ich sage wie immer bleiben Sie gesund und erfolgreich und mehr Infos zu diesem Thema finden sie in der aktuellen Ausgabe vom Markt- und Mittelstand unnatürlich auf unserer Website.
00:27:11: Mehr dazu auch in den Shownauts.
00:27:13: Danke sehr und Auf bald!
00:27:18: Tschüss!
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